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Hauner: „Alles muss auf den Prüfstand!“
Keine leichte Aufgabe fällt Wolfgang Hauner als Schatzmeister beim TSV München von 1860 e.V. zu. Er muss gemeinsam mit den verschiedenen Gremien den Verein konsolidieren, ohne dessen Leistungsfähigkeit einzuschränken. Im Interview mit tsv1860.org spricht der 50-Jährige über das Missverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben, über die Jugendförderung und den Investor.
Herr Hauner, in der Nachwuchsarbeit des TSV 1860 soll erheblich eingespart werden, Was können Sie uns dazu sagen?
Wolfgang Hauner: Einerseits muss man die Nachwuchsarbeit von der Kostenstelle her zwischen Verein und KgaA trennen, also U19 und U23 von dem Rest. Als Schatzmeister war mir kurz nach Amtsübernahme und nach Kenntnis der Zahlen des „Vereins“ schnell klar, dass auch im Gesamtetat des Vereins ein Missverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben besteht. Während im Frühjahr in der Fußballgesellschaft bereits eingespart werden musste und der Rotstift angesetzt wurde, blieb im Verein zunächst noch vieles beim Alten. Für das neue Geschäftsjahr 2012/2013, das derzeit geplant wird, sind nun auch im Verein Einschnitte unumgänglich. In der Nachwuchsausbildung müssen Verein und KGaA als Ganzes gesehen werden. Das ganzheitliche Konzept war in den letzten knapp 20 Jahren immer mit die herausragende Stärke der Junglöwen und deren Ausbildung – gerade auch im Vergleich zu anderen Vereinen.
Was wird sich ändern? Wie viel muss eingespart werden?
Hauner: Viele Jahre wurde über die tatsächlichen finanziellen Verhältnisse hinweg gelebt. Nur mit Ach und Krach konnte ein halbwegs ausgeglichener Haushalt erreicht werden. Stets hat man versucht anhand der Zahlen des Vorjahres das nächste Jahr zu planen. Der Verein kam immer an zweiter Stelle, immer hinter der „Fußballgesellschaft“. Mit Dieter Schneider, Franz Maget und dem Aufsichtrat möchte ich nun dringend notwendige Veränderungen im Verein und in dessen Struktur und Organisation angehen. Wir führen einerseits Gespräche mit Sponsoren, also Unternehmen, von denen wir uns erhoffen, dass sie sich im e.V. finanziell engagieren. Zum anderen müssen wir aber auch an die Mitgliedsbeiträge ran und mit einer angemessenen Erhöhung Verbesserungen erreichen. Gleichzeitig soll gespart werden. Da muss viel Altgewohntes auf den Prüfstand. Auch innerhalb der Organisation und im Verhältnis zu den Abteilungen muss sich etwas ändern. Wir leben organisatorisch teilweise noch, als hätte es die Ausgliederung 2001 nicht gegeben. Geschweige denn 2011 den Investoreneinstieg. Wir müssen uns vom Gestrigen trennen und mutig neue Wege beschreiten. Präsidium und Aufsichtsrat haben vor einigen Tagen in einer Klausur erstmals Zeit gefunden, sich über die Zukunft und auch Ausrichtung des Vereins intensiv auszutauschen.
Zurück zur Nachwuchsarbeit? Wird es noch eine angemessene Jugendförderung geben?
Hauner: Der gesamte TSV 1860 liegt, auch im 7. Jahr seit dem Abstieg, nach wie vor unter den Top 10 der Nachwuchsarbeit in Deutschland. Außer Frankfurt, das sich Erstliga-Niveau leistet, gibt es in der Zweiten Liga kein mit den Löwen vergleichbares Jugendleistungszentrum. Auch niemanden, der Geld auch nur in annäherndem Umfang investiert. Die gesamte Nachwuchsarbeit wurde stets auch mit Geldern der „Fußballgesellschaft“ mitfinanziert, die diese selbst aber gar nicht hatte. Im Verein sind alle Mitgliedereinnahmen der Fußballabteilung ausschließlich und direkt in die Jugendförderung geflossen. Nur so war das Halten des hohen Niveaus bisher möglich. In letzter Konsequenz geschah dies aber immer auf Pump. Die „Fußballgesellschaft“ muss in vielen Bereichen sparen, unabhängig, ob und wie ein Investor sich beteiligt. Es wäre nun unehrlich zu sagen, Einsparungen darf es da und dort nicht geben. Alles muss auf den Prüfstand. Und es braucht schnelle Entscheidungen. Der Etat für die DFL muss zum 15. März stehen, dann sehen wir auch, wohin der Weg des Nachwuchses - zumindest der finanzielle - führen wird.
Jetzt sind Sie der Beantwortung der eigentlichen Frage ausgewichen. Deswegen noch einmal zurück zur Nachwuchsarbeit: Wird es noch eine angemessene Jugendförderung geben?
Hauner: Ja, aber mit geänderten Vorzeichen. Weniger ausgeben und trotzdem möglichst viel erreichen, heißt die Devise. Und das alles im Einklang und einem möglichst gemeinsamen Konzept zwischen Verein und „Fußballgesellschaft“.
Und wie wollen Sie das erreichen?
Hauner: Ich hatte immer die Meinung, ein Lizenzverein muss mindestens 5% seiner Ausgaben des Lizenzspielerkaders in die Nachwuchsausbildung investieren. Dieses ehrgeizige Ziel gilt es, mit der „Fußballgesellschaft“ und letztlich auch dem Investor zu klären. Danach kann dann die Nachwuchsarbeit in der Fußballabteilung angegangen und das Ausgabenpotential festgelegt werden. Es wird auf jeden Fall zu Reduzierungen kommen, trotzdem wird man mit den verbleibenden Mitteln immer noch Nachwuchsarbeit auf höchstem Niveau betreiben können.
Ist der Investor schuld, wenn sich die Nachwuchsarbeit zukünftig extrem verschlechtert?
Hauner: Entschuldigung, das ist doch sehr polemisch! Dass es den TSV 1860 in der Zweiten Liga und die aktuelle Nachwuchsarbeit überhaupt noch gibt, ist Hasan Ismaik zu verdanken. Wir sollten froh sein, dass wir uns noch Gedanken machen können, wie wir die Junglöwen in Zukunft fördern wollen. Wir alle zusammen müssen jetzt an der Ausgabenschraube drehen und trotzdem versuchen, größtmöglichen sportlichen Erfolg anzustreben. Das ist unser gemeinsames Ziel - in der KGaA, im Verein und der Fußballabteilung. Das sind wir Mitgliedern und Fans und unserer Klasse-Nachwuchsarbeit schuldig. Ich hoffe, wir bekommen die Zeit zu vernünftigen Gesprächen und machbaren Lösungsansätzen und werden uns nicht wieder „öffentlich“ mit Teilergebnissen das Leben selbst schwer machen. Ich sage klar und deutlich: es muss gespart werden, es wird Einschnitte geben. Aber alles muss in einem vernünftigen Rahmen geschehen. Wir haben jetzt auch die Chance, mit einem erneuerten Konzept Althergebrachtes zu verändern. Ich bin mir sicher: Die Nachwuchsarbeit der Löwen wird nicht zugrunde gehen!
Feb 08 2012